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By Laurence Rees

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Wir brauchten oft Monate, in einigen Fällen Jahre, ehe sie uns gestatteten, ein Interview aufzuzeichnen. Man weiß nie genau, was die Waagschale zu unseren Gunsten senkte und Menschen veranlaßte, sich mit dem Filmen einverstanden zu erklären, aber in vielen Fällen wollten sie offenbar, da sie dem Ende des Lebens näher rückten, ihre Erfahrungen aus dieser bedeutenden Zeit – mit allen Fehlern und Schwächen – protokollieren lassen. Außerdem glaubten sie, daß die BBC ihren Beitrag nicht verzerren würde.

Man muß die Bedeutung dieses Unterschieds kennen, um zu begreifen, wie sich die Deutschen in den dreißiger Jahren die Existenz solcher Lager wie Dachau rational erklärten. Keiner der Deutschen, mit denen ich Fernsehinterviews gemacht habe, nicht einmal ehemals fanatische Nationalsozialisten, waren über die Todeslager »glücklich«, aber viele waren in den dreißiger Jahren sehr zufrieden gewesen mit dem Vorhandensein von »normalen« Konzentrationslagern. Sie hatten gerade den Alptraum der Weltwirtschaftskrise durchgemacht und miterlebt, daß die Demokratie den Niedergang des Landes nicht hatte verhindern können, wie sie sagten.

Eben weil ein SS-Mann wußte, daß er Dinge würde tun müssen, die Schwächere nicht leisten konnten, entstand ein machtvoller Korpsgeist, in dem die Loyalität der Kameraden wesentliche Stütze und Rückhalt bot. Die Grundwerte der SS – bedingungslose Loyalität, Härte, Schutz des Reiches vor inneren Feinden – wurden fast zur Ersatzreligion, es war eine besondere und leichtverdauliche Weltsicht. Er sei der SS dankbar gewesen für die intellektuelle Führung, die sie bot, sagte Johannes Hassebroek, Kommandant eines anderen Konzentrationslagers.

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